Mittwoch, 29. Oktober 2008

Wechselgeld und Lob

Heute Nachmittag war ich desöfteren alleine im Laden und habe meinen ersten Kunden komplett alleine bedient. Hat soweit gut geklappt – nur habe ich ihm zu wenig Wechselgeld gegeben. Ich war doch etwas nervös – aber er hat gelacht und nachdem ich erklärt habe, dass ich noch nicht so lange dort arbeite, sagte er er wäre doch zufrieden und es klappe doch schon alles ganz gut ;-) Glück gehabt.

Aber worüber ich mich noch mehr gefreut habe, war das Lob meines Seniorchefs. Er bat mich zu ihm und sagte im Namen der ganzen Belegschaft dass sie alle sehr zufrieden mit mir wären, ich ein angenehmes Wesen habe und ich gut in den Laden passe. Sehr schön!

Ich habe sowieso das Gefühl, dass ich mich mittlerweile ganz gut eingelebt habe. Die letzten Tage war ich mit meinen Chef alleine unterwegs und ich kam ganz gut mit ihm klar. Mir fielen die Gespräche im Auto etwas schwer, aber ich habe mich bemüht und wir haben doch einiges zu Stande gebracht.

Beas Geburtstag

Heute hat unsere Praktikantin Bea Geburtstag gefeiert. Ich hatte ihr ein Fläschchen guten Glühwein, lecker Schoki und ein Kärtchen besorgt und sie hat sich sehr gefreut. Sogar mit einem Tränchen im Auge. Wir haben ihr einen Geburtstagstisch gebaut, auf dem wir ihre Präsente und eine Kerze hübsch drapiert haben und zusammen Kuchen gegessen. Alles in Allem ein sehr angenehmer Vormittag mit viel Lachen und angenehmer Atmosphäre. So könnte es jeden Tag sein :-)

Montag, 27. Oktober 2008

Teilzeitjubilar

Heute gibt es mein liebes kleines Blog genau 3 Monate und einen Tag. Gleichzeitig ist dies hier mein 100ster Beitrag.
Grund zum feiern?
Ich weiß nicht. Wohl eher nicht so.
Ich stoße trotzdem mit einem Tässchen Glühwein an und widme diesen Post allen Sozialphobikern die auf dem Weg der Besserung sind, allen, die versuchen ihr Leben auf die Reihe zu bekommen, allen, die heute einen kleinen Erfolg hatten, allen die einsam sind, allen die traurig sind und… einfach allen die heute Abend in ihren Betten liegen, vielleicht den Mond sehen und sich Gedanken um ihre Welt machen.
Ich wünsch euch was!

Schöne (Arbeits-)Momente

Wenn ich arbeite, bin ich ab und zu draußen. Vor dem Laden. Da topfe ich Pflanzen um, befreie den Weg von altem Laub, räume unsere Ausstellware hin und her, be- und entlade den Transporter (…) all diese Dinge die man halt machen muss, wenn man in einem kleinen Einzelhandel arbeitet und in der Rangliste recht weit unten steht.

Wenn ich dort draußen am werkeln bin, werde ich häufig gegrüßt. Ich sehe auch immer wieder die gleichen Menschen. Anwohner meistens. Unter anderem sehe ich auch immer wieder ein Pärchen. Sie ist recht klein und hat eine hübsche Frisur. Er ist recht groß und trägt meistens Malerhosen.

Vorhin war SIE im Laden und wollte eine einzelne rote Rose haben. Glücklich lächelnd erzählte sie, sie habe morgen Jahrestag und würde die gerne ihrem Liebsten schenken.

Wenig später kam ER in den Laden. Aufgeregt und nervös lächeln bat er um einen riesigen Strauß roter Rosen. Er habe morgen Jahrestag und wolle seiner Freundin einen Antrag machen.

Solche Momente sind schön und ich freue mich immer wieder, dass ich die Stelle bekommen und angenommen habe. Blümchen verbinden :-)

Donnerstag, 23. Oktober 2008

Kunden und Flyer

Heute war das Arbeiten eigentlich ganz angenehm. Wir hatten weniger Stress und meine Chefin hat mir auch keinen Grund zum ärgern gegeben. In der zweiten Halbzeit habe ich mich ein wenig mehr an den Kundenkontakt getraut. Meine Chefin war (mal wieder) drüben in der Wohnung und hat ihr Süppchen gekocht und Lara war im Hof, so dass ich mich unbeobachtet in den Nahkampf stürzen konnte. Es ist schon ein merkwürdiges Gefühl, wenn die Kunden mich ansehen und überhaupt nicht daran zweifeln, dass ich dort arbeite und Ahnung von der Materie habe. Habe ich nicht – aber das steht mir offensichtlich nicht auf die Stirn geschrieben.

Und ganz nebenbei bin ich gerade mal wieder voll in meinem Element – die Mediengestaltung. Meine Chefin hat mich gefragt ob ich einen Einladungsflyer für unsere Ausstellung im November anfertigen könnte. Klar, gerne! Leider wird die ganze Sache nur semiprofessionell auf weiß gedruckt und dann zigfach kopiert – aber na ja. Mit etwas Glück lassen wir die passenden Plakate vernünftig in der Druckerei auf Papier bringen, so dass meine Kreativität angemessen präsentiert wird.

Und da wir gerade bei Kreativität sind: die anstehende Ausstellung habe ich heute zum Anlass genommen den Laden auf Hochglanz zu bringen und einiges umzudekorieren. Ich bin ja mal gespannt was meine Chefin morgen dazu sagen wird.

Bea

Unsere neue Praktikantin, ich nenne sie hier mal Bea, stand heute morgen in Tränen aufgelöst im Laden als ich kam.

Ich glaube, ich muss nun erstmal etwas ausholen: Bea ist (genauso wie ich :D) irre. Ich weiß nicht genau was sie hat, aber ich tippe auf Depressionen und ängstlich vermeidende Persönlichkeitsstörung, Sozialphobie oder so etwas in der Richtung. Jedenfalls ist es bei ihr so schlimm, dass sie nicht mehr „richtig“ arbeiten kann und psychologisch betreut wird. Zeitweise auch in einer Klinik. Nun macht sie in einem Integrationsprogramm mit (therapiebegleitend) und darf bei uns im Laden arbeiten.

An dieser Stelle möchte ich mich am Rande mal lobend über meine Chefin äußern: nicht jeder Betrieb würde so jemanden aufnehmen und ihm die Chance auf einen Wiedereinstieg geben.

Aber weiter im Text:

Bea ist eine wirklich ganz liebe Frau und ich verstehe mich super mit ihr, auch wenn sie geschätzte 20 Jahre älter als ich ist. Deswegen war ich heute morgen auch tief schockiert, als sie da so weinend stand. Ein Häufchen Elend ist nichts dagegen.

Sie erzählte dann, dass sie seit ihrer letzten Therapiestunde total im Eimer ist. Ihr Freund ist vor ein paar Monaten gestorben (ich weiß nicht woran) und das kam in diesem Gespräch alles wieder hoch.

Die arme tut mir so furchtbar Leid. Ich glaube ich kann ihre Situation ein Stück weit nachvollziehen; die Depressionen und die Angst sind mir ja auch nicht fremd. Und wenn dann auch noch ein geliebter Mensch stirbt… ich möchte gar nicht drüber nachdenken, was ich dann tun würde.

Ich bewundere sie sehr dafür, dass sie trotz allem nicht aufgibt und versucht ihr Leben auf die Reihe zu bekommen. Sie ist trotz des Todesfalles die neue Arbeitsstelle angetreten und bemüht sich sehr nicht unterzugehen.

Ich habe ihr letzte Woche entlocken können, dass sie bald Geburtstag hat. Und dass sie Glühwein liebt (auch so wie ich :D). Deswegen werde ich ihr zu dem Anlass ein Fläschchen besorgen und vielleicht noch eine Kleinigkeit samt Karte dazu.

Ich hoffe sehr, dass sie sich darüber ein wenig freuen kann.

Mittwoch, 22. Oktober 2008

Meine Ausbilderin

Den heutigen Abend nutze ich, mich über meine Ausbilderin zu ärgern.

Sie ganze Sache fing am Montag an. Wir haben ja eine neue Praktikantin, die noch unsicherer ist als ich und auch erst seit ein paar Tagen da.

Montag war dann relativ viel los und meine Chefin hat mal wieder unnötigen Stress gemacht. Sie wies uns an ein Gesteck vorzubereiten, was wir beide bisher noch nicht gemacht hatten.

Soweit sogut. Die Gestecken sahen nicht perfekt aus, aber ich fand sie schon in Ordnung. Meine Chefin sah das wohl anders und hat uns beide aufs übelste angemacht.

Ich hatte das soweit ignoriert und auf den Stress geschoben. Nicht jeder kann immer nett sein, das weiß ich ja auch.

Heute morgen bekam ich dann mit, wie sie über mich und die andere Praktikantin gelästert hat. Es hätte am Montag ja nichts geklappt und sowieso.

Huch? Ich glaub die spinnt. Ich reiße mir den ganzen Tag ein Bein aus für den scheiß Laden, bin nur am rennen und machen. Sie ist nur halbtags da und ist im allgemeinen der Meinung, dass Telefonate mit Freundinnen und Suppe kochen Zuhause wichtiger sind als die Arbeit. Und im nächsten Moment bricht sie dann in Hektik aus und schnauzt mich an, ich solle sie nun bloß nicht ansprechen, weil sie ja so viel zu tun hätte.

Alle anderen im Betrieb sind übrigens noch immer zufrieden mit mir, lassen mich viel mehr machen als sie und zeigen mir auch mehr.

Mehr muss ich nicht sagen, oder?

Ihr Ausraster am Montag hatte übrigens zur Folge, dass die andere Praktikantin B. nun seit 1,5 Tagen krank macht und nicht auf der Arbeit war. Interessiert sie das? Nö. Anstatt sich für ihren Anfall zu entschuldigen oder die ganze Sache wenigstens zu ignorieren, ritt sie den ganzen Tag drauf rum und versuchte die Tatsachen zu verdrehen. Es sind nämlich immer alle anderen Schuld.

Das scheint bei ihr allerdings nichts Neues zu sein – hinter vorgehaltener Hand wurde mir das schon am ersten Tag erzählt.

Das einzig positive an der Sache ist, dass mir meine Reaktion gefällt. Dank meiner tollen Sozialphobie, nehme ich solche Geschichten gerne persönlich und bin Tage oder Wochenland traurig und depressiv. Würde denken ich mache alles falsch und meine Chefin würde mich nicht mögen.

Momentan ärgere ich mich zwar ziemlich, vielleicht auch mehr als angebracht wäre, aber ich suche den Fehler nicht bei mir und der Gedanke daran dass ich morgen wieder in den Laden muss, lässt mich noch nicht würgen.