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Mittwoch, 3. Dezember 2008

Omabrief #3

Ich habe ihr nun doch geantwortet. Gesagt dass ich mich gerne mit ihr auf einen Kaffee treffen würde und ihr meine Handynummer gegeben. Eventuell war das ein Fehler - aber nun habe ich damit angefangen und kann nicht einfach wieder den Kopf in den Sand stecken. So hätte ich es früher gemacht - aber ich will mich ja bessern.
Nun kommt es darauf an, wie schnell die Post ist. In ihrem letzten Brief schrieb sie, dass sie mit Opa ab dem 5. Dez. im Urlaub ist. Wahrscheinlich kann ich nun davon ausgehen, dass sie mich vor Ende nächster Woche nicht anruft.

Montag, 1. Dezember 2008

Omas Antwort

... kam nun tatsächlich.
Sie schreibt, dass sie sich über meinen Brief gefreut hat, fragt nach meiner Handynummer und ob wir mal einen Kaffee zusammen trinken wollen.
Soweit, sogut. Der Rest des Briefes besteht aus Vorwürfen und Fragen, die ich nicht beantworten kann (und will). Es hat irgendwo schon seinen Grund, dass meine Mutter mit ihr keinen Kontakt mehr haben möchte...
Hachja.
Ich lass den Brief nun erstmal ein paar Tage liegen und überlege mir, was ich nun damit anstelle. Einerseits würde ich mich schon gern mit ihr treffen, aber andererseits fühle ich mich doch ziemlich in die Ecke gedrängt durch ihre Fragen und Anschuldigungen.

Montag, 24. November 2008

Brief an Oma

Meine Eltern haben sich vor rund 2 Jahren mit meiner Oma so sehr gestritten, dass der Kontakt abbrach. Ich weiß dass meine Oma eine sehr anstrengende Person sein kann, aber genauso weiß ich dass meine Mutter einen grossteil der Schuld trägt und nicht über ihren Schatten springen kann.

Das macht mich traurig. Ich habe zu niemanden aus meiner Familie noch Kontakt, außer zu meinen Eltern und meinem Bruder. Über die Jahre haben es alle geschafft sich gegenseitig so zu zerstreiten, dass niemand mehr mit dem anderen spricht. Vom Tod meines Opas, den ich nicht einmal kenne, habe ich durch einen Brief vom Anwalt erfahren, als es um die Erbschaft ging. Vom Tod meines Großonkels habe ich auch nur zufällig gehört. Und auch ihn kannte ich nicht richtig, wenn man mal von den ein oder zwei Besuchen absieht bei denen ich um die 6 Jahre alt war.

Sollte ich einmal heiraten, wird meine Bank in der Kirche sehr leer sein.

Nun habe ich mich überwunden und am Freitag einen Brief an meine Oma geschrieben. Ich möchte keine Konflikte austragen, die ich nicht verursacht habe. Das habe ich auch so gesagt. Und nun hoffe ich auf eine Antwort. Ob ich sie bekomme, weiß ich nicht. Und wie sie ausfällt, noch weniger. Ein mulmiges Gefühl bleibt und begleitet mich seit Tagen.

Montag, 22. September 2008

Gourmets und Seitenhiebe

Den Restaurantbesuch habe ich überstanden. Ich habe mir wirklich Mühe gegeben nett zu sein und kein Gesicht zu ziehen. Schon alleine für meinen Bruder – der hat sich nämlich sichtlich gefreut uns seine neue Arbeitsstelle zu zeigen und seine Kollegen vorzustellen.

Bis auf einige Seitenhiebe meines Vaters war es auch ganz ok. Cuba Libre und Mojito machens möglich.

Trotzdem bin ich froh nun zuhause zu sein und meine Ruhe zu haben, denn wohl habe ich mich da überhaupt nicht gefühlt.

Etwas gutes hat die Sache aber doch: die Kollegen meines Bruder sind wirklich nett, das Restaurant hat ein schönes Ambiente und es scheint mir als wäre er gerne dort. Mission also erfolgreich ausgeführt.

Die Speisekarte war nicht so mein Ding, aber ich kann mit diesem Gourmetfutter eh nicht viel anfangen ;)

Verkehrte Welt

Ich habe mich ja nun schon mehrfach drüber ausgelassen, dass meine lieben Eltern und ich im Moment gar nicht harmonieren.

Ich kam gestern Abend ziemlich spät nachhause und sagte meinem Vater noch kurz Hallo. Da kam dann auch nur ein muffiges Hallo zurück, weswegen ich dachte es hätte sich nicht viel an der Lage geändert.

Heute morgen erzählte meine Mutter dann gut gelaunt, dass sie heute Abend essen gehen wollten, in dem Restaurant in dem mein Bruder nun arbeitet. Ob ich mit möchte?

Aha. Ich weiß hier langsam echt nicht mehr wo oben und unten ist.

Ich habe nun einfach mal zugesagt – um des Friedens Willen. Mal sehen ob das nun ein erträglicher Abend wird oder ich weiterhin böse angeschaut werde. Ich bin auf alles gefasst.

Samstag, 20. September 2008

Zwischenstand

Nach dem furchtbaren Tag gestern, dem allerdings ein schöner Abend und Morgen folgte, habe ich den restlichen Samstag Zuhause verbracht.

Ich hatte mir ja eigentlich vorgenommen schwimmen zu gehen, aber irgendwie war ich dann doch zu deprimiert und habe die Zeit vorm Rechner mit vielen Zigaretten totgeschlagen.

Ich bin müde und verheult.

An der Kriegsfront mit meinen Eltern hat sich eine merkwürdige Wandlung ergeben: meine Mutter tut so als wäre nichts gewesen und ist freundlich zu mir. Mein Vater hält sich weitestgehend raus und spricht nicht mit mir. Aber die Situation fühlt sich nicht mehr so angespannt an wie in den letzten 3 Tagen.

Was ist da nun passiert? Ich demonstriere trotzdem noch deutlich, dass mir der Kinderkram hier nicht passt. Ich bin freundlich, aber kühl. Nicht mehr sprechen als nötig und gleich fahre ich wieder in meine Zuflucht, bis morgen oder Montag.

Mir tut der Abstand wirklich gut und vielleicht habe ich endlich geschnallt, dass ich mir nicht jeden Schuh anziehen muss.

Freitag, 19. September 2008

Traurig

Meine Eltern betreiben noch immer Psychoterror. Langsam schlägt mir das wirklich auf den Magen und ich bin traurig.

Aber was soll ich machen? An reden ist nicht zu denken. Dafür kenne ich meine lieben Eltern leider zu gut. Eigentlich eine ausweglose Situation.

Aber diesmal bleibe ich standhaft und schaue was sie als nächstes tun. Nach Phase 1 (Missachtung, gar keine Beachtung und böse Blicke) sind wir nun in Phase 2: Gereizter, angrifflustiger Ton und willkürlicher Entzug der Autoschlüssel. Wahrscheinlich geht das noch darin über, dass nur noch Dinge gekocht werden die ich nicht mag.

Ich werde übers Wochenende zu meinem Freund flüchten und versuchen den Kopf wieder frei zu bekommen. Das hält ja keiner hier aus.

Mal sehen ob sich die Situation bis Montag entspannt hat.

Etwas positives habe ich allerdings doch noch zu berichten:

Meine Freundin, die nun auch eine Woche kein Wort mehr mit mir gesprochen hat, hat eben angerufen und gefragt ob ich Lust habe mit ihr einkaufen zu gehen.

Leider ist das nun etwas zu spontan gewesen, ich bin ja anderweitig verplant. Und ein Auto habe ich auch nicht zur Verfügung.

Nun bin ich traurig, weil sie mir entgegen gekommen ist und ich trotzdem ablehnen musste.

Wie soll man bei dem ganzen Mist denn bitte nicht depressiv werden? Ach man.

Problemkind vs Soziale Phobie III

Ich habe ja gerade erst im allgemeinen über Mobbing geschrieben, was mich dann wieder zum Nachdenken veranlasst hat.

Zu Beginn der 7. Klasse habe ich aufs Gymnasium gewechselt. Ich war da schon sehr in meiner Sozphobie gefangen und hatte elendig lang Ärger mit meinen Eltern.

Ich hatte auch gerade meinen Freund, den ich hier schon mal erwähnt habe, kennengelernt.

In der neuen Schule kannte ich niemanden und war ziemlich verloren. Verwirrt durch viele andere Dinge in meinem Privatleben und ängstlich dem was da kommen würde gegenüber.

Schon nach den ersten Tagen bildeten sich Grüppchen – normal. Ich hatte mich allerdings noch nicht richtig entschieden zu wem ich „gehören“ wollte.

Und dann passierte etwas, was ich mir heute noch nicht erklären kann. Obwohl wir uns alle noch gar nicht recht kannten, fingen die einen an gegen die anderen zu hetzen. Auf die übelste und gemeinste Weise. Geschreie und Gekloppe in den Pausen, Gemeinheiten und Sticheleien im Unterricht.

Ich stand da irgendwo immer zwischen – wie gesagt, ich hatte mich noch nicht entschieden wer mir am symphatischten und passendsten erschien.

Was es mir dann aber auch schwer bis unmöglich machte mich jemandem anzuschließen. Du hast doch vorhin mit xy geredet, magst du die etwa?? Und schon war ich unten durch.

Diese merkwürdige Gruppendynamik veränderte sich dann auch ganz schnell wieder ins Gegenteil – es war ein Zusammenhalt zwischen den einzelnen Parteien entstanden.

War es bis dahin noch einigermaßen erträglich für mich, fühlte ich mich dann vollkommen ausgeschlossen.

Ich habe meine Pausen zwar immer mit bestimmten Menschen verbracht, habe mich aber immer irgendwie als unliebsames Anhängsel gefühlt.

Ob das Einbildung oder Tatsache war, kann ich ehrlich nicht sagen.

Ich fing an bestimmte Schulstunden zu vermeiden, in denen ich wusste dass eine Gruppenarbeit gefragt war. Das fiel dann natürlich irgendwann auf und es begannen die Lästereien. Ich schwänzte ganze Tage, anfangs noch mit Segen der Eltern – mir ist schlecht, ich bin krank!

Nur zog das dann irgendwann natürlich auch nicht mehr und ich begann unentschuldigt zu fehlen. Ich hatte furchtbare Angst, dass mich ein Lehrer abfangen und mich darauf ansprechen könnte. Oder dass sie bei mir Zuhause anrufen könnten.

Ich bin nämlich täglich jeden morgen ganz normal aus dem Haus gegangen und habe mich dann mit furchtbaren Gewissensbissen rumgetrieben.

Das ging runde 2 Jahre, bis der ganz große Knall kam. Ich war sogut wie gar nicht mehr in der Schule und wenn ich mal da war, wurde ich auf grausamste Weise gemobbt.

Das schlimmste dadran war die Angst. Die Angst dass jemand meine Fehltritte entdecken könnte. Ich war schließlich Schuld – ich war zu blöde um mich in die Gemeinschaft zu integrieren, ich habe meine Eltern und Lehrer belogen, ich habe geschwänzt.

Ich bin nie auf die Idee gekommen, dass mein Tun nur eine natürliche Selbstschutzreaktion auf meine Umwelt war.

Ich war schwer depressiv, hatte einen gewalttätigen und kranken Freund und dachte ständig an Suizid. Mit 13 Jahren.

Nach einer sehr unschönen Szene in der Schule bin ich Zuhause heulend zusammengebrochen und habe Bruchstückhaft von diesem Martyrium erzählt.

Wie sollte es anders sein – meine Eltern gaben mir die Schuld, aber ich durfte die Schule wechseln. Nicht ohne Vorwürfe und Missachtung, aber ich war erstmal glücklich.

Donnerstag, 18. September 2008

Unterstützung

Bekomme ich nicht. Aus lauter Frust und Ärger habe ich mich gerade mal in alle Richtungen informiert.

Mein Praktikum ist nicht Bafög förderungsberechtigt. Gehalt bekomme ich das nächste Jahr auch nicht. Und solange ich unter 25 bin, sind meine Eltern unterhaltsverpflichtet, was heißt dass ALG II und Hartz IV auch wegfallen. Es sei denn es läge ein besonderer Grund vor. Z.B. wenn der Zustand hier für mich nicht mehr tragbar wäre. Das müsste aber nachgewiesen werden.

Und wer will das schon?

Alles schwierig.

Mein Lichtblick ist der September 2009. Dann, wenn alles nach Plan läuft, kann ich endlich ans Studium. Und dann bin ich auch Bafög berechtigt.

Nur doof, dass das noch ein ganzes Jahr hin ist.

Streit und Ärger und Argh!

Letzten Freitag habe ich mich mit einer Freundin gestritten. Wir hatten etwas für Samstag zusammen geplant, was dann aber nicht geklappt hat. Ihr Auto musste in die Werkstatt und ich hatte an dem Wochenende keins zur Verfügung. Dumm gelaufen, kann aber niemand was für.

Jedenfalls stellte sie sich dann furchtbar an, weil ich das restliche Wochenende anders verplant hatte.

Aber nunja. Kann ich nix für und 24h bereit steh ich auch nicht für sie. Zumal es andersrum genauso ist.

Das ist nun fast eine Woche her und sie redet seitdem kein Wort mehr mit mir.

Gestern Abend gabs dann Ärger mit meinen lieben Eltern. Sie machen mich und meinen Bruder seit Jahren für jede große und kleine Sache aufs übelste an.

Aber wenn ich dann mal was sage ohoh…

Ich bin eine 20 jährige, erwachsene Frau. SO redet niemand mehr mit mir.

Das doofe ist, dass sie mich seitdem nicht mal mehr mit dem Ar… ansehen. Kein Guten Morgen, nichts.

Hätte ich mit rechnen können – Liebesentzug (wie man das so schön nennt) und Ausschluss sind hier ja nichts neues.

Vermutlich gehört das zum erwachsen werden (sein) dazu. Es ist nicht gut, wenn ich bei jedem kleinen Gegenwind einknicke. Zumal ich ganz klar im Recht bin.

Aber irgendwo bin ich doch harmoniebedürftig. Eine so offensichtliche Ablehnung durch die Eltern ist schon scheiße.

Mein Freund sagte vorhin: Beiß nicht die Hand die dich füttert. Jedenfalls nicht zu sehr.

Damit mag er auch ein stückweit Recht haben.

Ich bin gespannt wie sich das heute noch entwickelt. Oder ob es sich entwickelt. Kann natürlich auch die nächsten Tage so weitergehen.

Argh! Ich fühl mich wie im Kindergarten.

Montag, 15. September 2008

Problemkind vs. Soziale Phobie II

Ich habe hier ja schon angekündigt, dass ich dazu noch einiges erzählen möchte. Eigentlich sind das Sachen, die ich meinen Eltern gerne vor den Kopp knallen möchte, damit sie sehen was sie angerichtet haben. Ich glaube nämlich, dass die sich dessen überhaupt nicht bewusst sind – und das ärgert mich maßlos.

Zum Ende der Grundschulzeit bekam ich Pickel. Vielleicht etwas zu früh für das Alter, aber im normalen Maße.

Eines morgens sah mich meine Mutter an. Wie siehst du denn aus??? Ich wusste gar nicht was los ist. Meine Mutter hat die Angewohnheit scharf einzuatmen und einen Laut des Erschreckens zu machen, wenn etwas furchtbares passiert. Das ist sicherlich auch angebracht – bei einem Autounfall z.B. Oder wenn sich das Kind schwer mit einem Messer verletzt. Oder böse hinfällt und sich den Arm bricht. Sowas halt.

Sie macht es bis heute allerdings auch in allen andren möglichen Situationen. So auch da.

Als Kind habe ich das noch nicht so durchschaut wie jetzt und fing an zu weinen, weil ich dachte meine Pickel wären etwas furchtbares, gefährliches, unnormales.

Sie zerrte mich ins Schlafzimmer und schmierte mir mit einem Abdeckstift im Gesicht rum. Das sieht ja schlimm aus, alles entzündet…!

Angemalt und abgedeckt bin ich dann zur Schule gegangen. Die nächsten Tage habe ich dann diese Prozedur alleine vollzogen – muss ja sein. Wenn mich meine Mutter schon hässlich findet, was sollen dann erst andere denken…?

Nunja, da begann dann meine Make-Up Karriere.

Wenig später hatte ich deswegen schlimme Auseinandersetzungen mit meinen Eltern. Allerdings in die andere Richtung. Ich war so auf Make-Up und Puder fixiert (ohne kann man ja nicht rausgehen *hust*), dass ich nicht mehr ohne wollte – was meinen Eltern dann aber auch gegen den Strich ging.

Viele Tränen und viel Geschreie später bekam ich Make-Up-Verbot und schämte mich zu Tode wenn ich so zur Schule gehen musste.

Samstag, 13. September 2008

Emanzipation und Verantwortung

Neulich unterhielt ich mich mit meiner Mutter. Belangloses und allgemeines über meine neue Arbeitsstelle und wie es in Zukunft weitergeht.

„Vielleicht finde ich dann einen vernünftigen Nebenjob, dann kann ich auch ausziehen.“

„Wie weit ist er (mein Liebster) denn nun mit seiner Diplomarbeit?“

„Noch nicht sehr viel – das dauert wohl noch“

„Das ist aber auch blöde für dich!“

„Wieso?“

„Na, wenn er fertig ist, dann verdient er ja auch Geld und dann kann er sich eine schöne Wohnung für euch suchen! Deswegen sollte er sich wirklich mal ein wenig beeilen. Ist ja nicht normal so.“

Ich saß mit offenem Mund da. Ist es wirklich normal, dass der Mann für meinen Lebensunterhalt aufkommen muss? Dass ich meinen Auszug von ihm abhängig machen muss? Dass ich mich von IHM abhängig machen muss?

Ich finde nicht. Ich bin der Meinung, dass ich selber für mein Leben verantwortlich bin. Besonders fürs finanzielle. Ich fände es wirklich schlimm, wenn ich nicht in der Lage wäre ohne ihn auszukommen und von ihm abhängig zu sein.

Ich bin ganz klar für getrennte Konten und Eheverträge.

Versteht mich nicht falsch – ich bin mir ziemlich sicher, dass er der Mann ist mit dem ich mein Leben verbringen möchte. Und ich zweifele auch an nichts.

Aber trotzdem sehe ich nicht ein, wieso eine Beziehung bedeuten soll, dass man seine Verantwortung an den anderen abgehen muss.

Das würde eine Belastung für ihn bedeuten und ein Stück Handlungsunfähigkeit meinerseits.

Und dann diese ganzen Unsicherheitsfaktoren. Was wäre wenn er arbeitslos würde? Was wäre wenn das Auto kaputt ginge? Was wäre wenn…?

Nein, so geht das nicht Mama.

Aber wenn ich mir meine Eltern so ansehe – die haben es genau so gemacht. Nach wenigen Monaten sind sie zusammengezogen, meine Mutter wurde schwanger, musste die Ausbildung abbrechen, sie heirateten und alles ging seinen Gang.

Bei ihnen ging es gut – es gab zwar auch schwierige Zeiten, aber alles in allem haben sie es doch ganz gut gedeichselt. Und ich glaube sie haben ihre Entscheidungen nie in Frage gestellt oder großartig über mögliche Probleme nachgedacht.

Ich bin da anders. Und es ärgert mich, dass meine Mutter das nicht einsieht.

Freitag, 12. September 2008

Toll gemacht, Mama

Vor ein paar Tagen unterhielt ich mich mit meiner Mutter. Im TV kam ein Beitrag über ein kürzlich entführtes Mädchen.

„Furchtbar wenn so was passiert. Dass manche Kinder so viel Vertrauen haben, dass sie mit Fremden mitgehen…- ich habe euch immer beigebracht, dass man sowas auf keinen Fall machen darf“

Ja genau, Mama. Du hast mir von Anfang an Angst beigebracht. Ungesunde Angst. Angst vor Menschen, Angst vor der Welt, Angst vor allem was sich außerhalb unserer Wohnung befindet.

Und weißt du was? Als ich um die 10 Jahre alt war, hat mich auch ein Mann angesprochen. Und ich hatte so furchtbare Angst und so wenig Selbstbewusstsein, dass ich nichts zu sagen wagte. Weder konnte ich dem Mann sagen er solle abhauen, noch konnte ich Passanten um Hilfe bitten. Und schon gar nicht habe ich mich getraut davon Zuhause zu erzählen, da ich wusste du würdest mir nur noch viel mehr Angst vor der Welt machen.

Gesagt habe ich ihr das nicht. Wie so oft.

Mittwoch, 3. September 2008

Problemkind vs Soziale Phobie I

Es gab mal eine Zeit in der meine Eltern das Jugendamt benachrichtigen wollten. Ich sollte in ein „Heim für schwer erziehbare Kinder“. Ich sollte in ein Internat. Ich sollte ganz weit weg.

Wir kamen einfach nicht miteinander klar. Meine Eltern sind einfach unfähig ein Kind zu erziehen, konstruktiv mit Problemen umzugehen oder ihr eigenes Leben auf die Reihe zu bekommen.

Wenn ich so überlege, finde ich eigentlich gar keinen Auslöser für den ganzen Ärger.

Vielleicht fange ich einfach mal bei den Dingen an die ich noch gut in Erinnerung habe. In mehrere Beiträge aufgeteilt.

Da war z.B. meine Freundin P. Wir waren ca 8-9 Jahre, Grundschulalter.

P. kam aus sozial schwachen Verhältnissen, meine Eltern konnten sie nicht leiden. Sie sei dumm und kein Umgang für mich.

Nun, aber da es mir damals schon schwer fiel Freunde zu finden und ich mich mit ihr wirklich gut verstanden habe, blieb ich weiterhin mit ihr befreundet. Wir liefen Rollschuh, spielten mit Kuscheltieren – was man halt so macht. Nie haben wir Mist gebaut, nie war ich zu spät Zuhause.

Und trotzdem verboten meine Eltern mir systematisch den Umgang mit ihr. Sie sei assozial und seit ich sie kennen würde, benähme ich mich „unter aller Sau“.

Das führte dann dazu, dass ich mich heimlich mit ihr traf. Wenn man das denn heimlich nennen kann. Wir gingen in die gleiche Klasse, spielten in den Pausen zusammen und nach der Schule verbrachten wir auch ein wenig Zeit miteinander. Nie mehr als 20 Minuten – und dann rannte ich nachhause, damit niemand merkte dass ich nicht auf dem direkten Wege kam.

Durch einen blöden Zufall fanden meine Eltern es dann doch heraus. Zuhause war die Hölle los, ich wurde angeschrieen und niedergemacht. Und für Wochen durfte ich überhaupt nicht mehr raus. Ich durfte keine meine anderen Freundinnen mehr sehen, nicht nach draußen zum spielen oder Rad fahren.

Und mir wurde sehr deutlich gezeigt dass ich ein furchtbar böser Mensch (sry, Kind) bin und unerwünscht im Familienleben.

Das war dann das Ende der Freundschaft zwischen P. und mir. Nicht mal in der Schule habe ich mich getraut mit ihr zu reden.

So ungefähr verliefen übrigens alle meine Freundschaften – bis ich ca. 14 war.